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Selbstversuch Smartphone-Aus - iPhone Akku Test


By mj - Posted on 01 February 2012

Es gibt vermutlich nur wenige Smartphone Benutzer, die nicht schon das ein oder andere Mal über die Leistung ihres Akkus geklagt haben. Wer dann noch den Fehler begangen hat, seinen Unmut in Anwesenheit von Nicht-Smartphone Besitzern laut zu äußern, bekommt schnell einen alten Nokia-Knochen unter die Nase gehalten mit den Worten "Mein Akku hält locker eine Woche."
Dies war mehr als Anlass genug für einen einwöchigen Selbstversuch "Smartphone-Aus".

Dem Test wurden folgende Rahmenbedingungen zugrunde gelegt:

  • iPhone 4
  • iOS 5.0.1
  • o2 Deutschland
  • kein WLAN
  • keine mobilen Datendienste
  • keine Ortungsdienste
  • vollständig aufgeladener Akku

Da bleibt nicht mehr viel, was mit dem Gerät noch machen kann außer telefonieren, SMS schreiben und Apps nutzen, die keinerlei Datentransfer benötigen (ignorieren wir einmal vergangene Zeiten, an denen wir das als viel eingestuft hätten).
Um den Test nicht zu verfälschen, wurde auf das Spielen jeglicher graphik- und rechenleistungsintensiver Spiele verzichtet.

Damit sich dieser Testbericht nicht nur auf die nackten Zahlen beschränkt, soll dem Leser zunächst noch ein kurzer Überblick über die Auswirkungen eines solchen Smartphone-Verzichts gegeben werden (wen das langweilt, darf gerne direkt ans Ende des Berichts springen). Vermeintlich simple Informationsbedürfnisse wie "wann fährt die nächste S-Bahn?" oder "wie wird denn das Wetter heute?" lassen sich entweder mobil nicht mehr befriedigen oder man muss jemand danach fragen (oje, oje, persönlich mit Menschen sprechen?).
Der "soziale" Kontakt via Twitter, Xing oder Facebook kommt gänzlich zum Erliegen und Nachrichten jeglicher Art muss man entweder in der Mittagspause aufsaugen (und dadurch z.B. seinen üblichen Verdauungsspaziergang am Rhein verkürzen) oder abends per TV aufnehmen (und hinnehmen, dass es ausschließlich Informationen in der vom jeweiligen Sender bereitgestellten Länge und Umfang gibt).

Problematischer wird es mit Terminen. Man wird zwar nach wie vor an Kalendereinträge erinnert, die man direkt auf dem Gerät erfasst hat, aber Termine und Einladungen von anderen Leuten tauchen natürlich nicht mehr auf.
Das mag im privaten Bereich nur ärgerlich sein (gehen wir hier mal nicht vom vergessenen Hochzeitstag mit daraus resultierender Scheidung aus), wird allerdings dann so richtig blöd, wenn man sein iPhone auch beruflich nutzt. Dies gilt natürlich ebenso für jegliche andere Form von synchronisierten Daten wie Todo's, Notizen oder Mails - immerhin spart man sich damit jedwede Form von iCloud.
Dabei hat es gewisse Vorteile, in einer Besprechung gerade mal schnell den Inhalt einer Email nachschauen zu können ohne gleich das Macbook mitschleppen zu müssen.

Umgekehrt kann dies sicher auch als Vorteil ausgelegt werden, sobald man in der Mittagspause oder im Feierabend ist: Freizeit ist tatsächlich Freizeit. Kein Kollege, Vorgesetzter oder nerviger Bekannter, der einem mit irgendwelchen Anfragen, Aufträgen oder unerwünschten Informationen das Gemüt belastet (hinfällig, wenn man sich um solche Ereignisse ohnehin nicht schert). Außerdem bleibt man ja im Notfall immer noch per Telefon und SMS erreichbar, mit dem Unterschied, dass diese Kommunikationsmittel weit weniger leichtfertig für Belangloses "missbraucht" werden als z.B. Emails.

Während die ersten Tagen des Selbstversuches also noch stark übertrieben ausgedrückt ein Gefühl der Leere hinterlassen haben, war es durchaus angenehm in der restlichen Zeit, mal nicht bei Foursquare, Qype oder dergleichen einzuchecken oder etwas schönes zu erleben und dies nicht gleich auf Facebook oder Twitter zu "teilen".

Wie sich der Leser schnell ausrechnen kann, muss das iPhone offenbar nicht nach einem, spätestens 2 Tagen wieder an den Strom, wenn man seine Nutzung auf Gespräche und das Schreiben von Kurznachrichten beschränkt sowie App ab und an im Laufe des Tages eine seiner Apps nutzt.

Konkret in Zahlen ergibt sich am Ende des Selbstversuches folgendes:

  • Benutzung: 14 Stunden, 1 Minuten
  • Standby: 7 Tage, 0 Stunden
  • Anrufe: 1 Stunde, 11 Minuten
iPhone - mobile Datennutzung

iPhone - Benutzung

Macht ca. 2 Stunden Nutzung und 10 Minuten Telefonieren am Tag - zugegeben ConfCalls führt man in so einer Testwoche besser über das Festnetztelefon im Büro und die Mutter vertröstet man auf eine Zeit nach dem Versuch (was den einen oder anderen Nacheiferer dazu bewegen könnte, den Test auf unbestimmte Zeit auszudehnen...).

Technisch nicht belegen ließ sich der Eindruck, dass der Telefon-Empfang mit abgeschaltetem Datennetz besser war, allerdings zeigte das Display fast durchgehend 5 Balken (was mit aktiviertem 3G bei o2 nicht Standard ist).
Kritischer ist allerdings die Tatsache, dass im reinen Telefonmodus die iPhone-Ortung nicht mehr funktioniert. Also das Gerät besser nicht verlegen.

Fazit: Im Büro sollte man das iPhone wirklich besser als vollwertiges Smartphone nutzen. Wer aber deutlich Batterie sparen will, schaltet zum Feierabend vielleicht den ein oder anderen mobilen Dienst ab, um dann in Ruhe auf dem iPad ein Buch zu lesen, statt „kurz mal eben auf Twitter zu schauen“...

Und falls einem mal wieder jemand einen alten Nokia Knochen unter die Nase hält, kann man ohne schlechtes Gewissen erwidern, dass der iPhone-Akku ebenfalls eine Woche hält, wenn man das Telefon auf einen Funktionsumfang beschränkt, der immer noch weit über dem des Knochen liegt (dafür kann man sich zwar nichts kaufen, aber es soll ja Leute geben, die...).

Nachtrag: Wer die Ortungsdienste vorübergehend deaktiviert hat und sich wundert, warum nach dem Reaktivieren in der Mitteilungszentrale des iPhones kein "lokales Wetter" erscheint: dies muss man separat im Infobereich der Wetter App aktivieren. #fail

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